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de:podcast:biertaucher:2012:068

Folge 068

Florian war in Schottland im Kino, Horst war in Weiz auf den Knoppixtagen und hat Klaus Knopper interviewt, Johnny kann Daten aus Reisepässen per NFC-Smartphone auslesen, Gregor sorgt sich um Gnomebuntu, Martin pflanzte Brombeerhecken für Drogendealer, usw.

Folge: 068
Datum1): 2012-09-04
Länge: 1:46:54
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Inhalt

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Interview

Das Interview ist auch als seperater Download erhätlich:

Transkript Interview Klaus Knopper (H= Horst JENS, K= Klaus KNOPPER)

  • H: Hallo Klaus Knopper
  • K: Ja, Hallo
  • H: Meine erste Frage: Wie fühlt man sich nach 10 Jahren Knoppix ?
  • K: Ja, sehr gut. Es hat ja ursprünglich begonnen als ein Selbstlernprojekt, weil ich lernen wollte wie man bootfähige CD's herstellt. Das hat mich fasziniert, auf einigen Veranstaltungen gab es ja diese visitenkartengroßen CD's mit einem kleinen Rettungssystem drauf, mit fdisk und einer Shell. Und da habe ich mir überlegt: wenn das auf einer kleinen CD schon so gut funktioniert, dann mache ich mir doch eine große CD mit allem was ich so zum arbeiten brauche. So hat's angefangen. Und wie man das bei open-source Projekten so macht hab ich's veröffentlicht weil ich lernen wollte: Wie kommen andere damit zurecht, wie kann ich's verbessern so dass es auf möglichst vielen Rechneren startet und die ganze Hardware erkennt. Einige haben das dann verwendet um Linux zu lernen oder sich erstmal anzuschauen wie's funktioniert denn man musste es ja nicht auf Festplatte installieren sondern konnte es direkt auf CD starten und laufen lassen.
  • H: Und das war 2002 ?
  • K: Das war - im Projekt 2000 hab' ich zum ersten Mal das Projekt öffentlich vorgestellt und 2001 hab' ich die erste öffentliche Release gemacht. Damals war das auf Basis von Redhat, später hab' ich auf Debian gewechselt.
  • H: Und zu diesem Zeitpunkt hat es schon - was heute eigentlich selbstverständlich ist- das Konzept der Boot-CD gegeben ? Also dass ich eine CD erstmal reintu, wie Ubuntu, und komme dann in einen Ausprobier-Modus von dem installiere ich es dann fix ?
  • K: Richtig. Diese Rettungs-CD's blieben erst mal im Textmodus, denn die Grafikkartenerkennung war damals in den (Linux)Distributionen noch nicht so gut. Das heißt man musste dort eingeben: was hab' ich für eine Grafikkarte, was für einen Treiber will ich, was für eine Auflösung. Ich hab' schon recht früh versucht das zu automatisieren weil ich für solche Einstellungssachen wenn ich einen Kurs halte oder unterrichten will einfach keine Zeit habe um rauszufinden: was steckt in dem Rechner drin? Das sollte automatisch passieren. Man kann das automatisieren, es gibt die Informationen im virtuellen Dateisystem, von Linux abrufbar, und man muss sich dann überlegen: Wie mache ich da eine Einstellung die ziemlich sicher funktioniert. Das hab' ich schon ziemlich früh gemacht und hat auch gut funktioniert und heute machen das die meisten Linux-Distributionen sowieso out-of-the-box, da muss man nichts mehr einstellen.
  • H: Es war damals noch nicht state-of-the-art ?
  • K: Es war damals noch nicht state-of-the-art, ich hab' da sehr viel dran gebastelt bis es funktioniert hat und einige Live-Cd's die danach kamen haben dieses Verfahren dann adaptiert und selber eingebaut. Da bin ich auch ganz froh drum, ich lerne ja auch immer von anderen, und wenn von mir was übernommen wird dann freue ich micht natürlich. Ja, und dann ging's immer weiter, dann wurde das Ganze komprimiert, weil irgendwann das viele, viele was es unter Linux alles gibt an Lernsoftware, Lehrsoftware, Spielen und Internetdienstnutzungssoftware nicht mehr auf eine CD passte, da musste ich komprimieren. Auf eine CD passen komprimiert ca. 2 Gigabyte (GB) drauf - das ist schon recht viel. Auf die DVD passen (komprimiert) bis zu 10 GB drauf, da hab ich diese Kompression mit eingebaut damit möglichst viel auf so einen Datenträger draufgeht. Und heute sind natürlich CD's und DVD's völlig aus der Mode gekommen, wenn man einem Kind sowas in die Hand drückt dann fragt es: “Ja wie kriege ich das jetzt in mein Smartphone rein?”. Für diese Variante gibt es mittlerweile Flash-Disks und USB-Sticks. Wovon das ganze auch sehr viel schneller startet, weil sich ein Laser nicht hin- und herbewegen muss, was das Ganze auch immer etwas langsam gemacht hat. Von USB-Stick ist es fast schon schneller als von Festplatte, und das ist im Moment die häufigste Nutzungsart von Knoppix. Und ich denke in Zukunft werden wir es mehr sehen dass man Knoppix über's Netz bootet; der Lehrer steckt dann seinen USB-Stick in den Referenten-Rechner, startet die anderen Rechner über's Netzwerk und versorgt die so mit dem gleichen System welches auch auf seinem Stick drauf ist.
  • H: Ein Stick, viele Rechner
  • K: Ein Stick, viele Rechner, genau. So hat sich das in den letzten 10 Jahren entwickelt. Es kommt auch immer von Anregungen (z.B.) auf Grund von Kursen wie jetzt den Knoppixtagen dazu - ein Vorschlag war z.B. dass man den 3D-Desktop
  • H: <lacht>
  • K: da zoom-effekte macht, dass man als Lehrer den Bildschirm vergrößern kann, dass die Schüler sehen: “Ah, dass meint er” - das ist viel besser als ein Laserpointer. Manchmal stört's aber auch, wenn man Screencasts machen will und dann rauschen diese Effekte in das Video mit hinein. Dass man dort einfach einen Menüpunkt macht wo man die (Compiz) Effekte einmal abschalten kann - dann macht man seine Bildschirmaufnahme und dann schaltet man die Effekte wieder ein und kann normal mit der 3D Oberfläche weitermachen.
  • H: Ich hatte diesen Punkt… (beanstandet)
  • K: Ja, so Sachen machen wir…ich fand das sehr gut, und das ist so eine Sache wo man überlegt: “Ja, das ist eigentlich eine Sache die fehlt, das könnte man mit relativ wenig Aufwand noch einbauen und das wird dann in der nächsten Knoppixrelease im Menüpunkt Knoppix mit drin sein.
  • H: Du hast mir erzählt du verwendest zu Hause unter anderem Ubuntu und andere Linux-Distributionen, du bist nicht Knoppix-only, habe ich das richtig verstanden ?
  • K: Ja, Knoppix basiert grundsätzlich auf Debian, das heisst wenn ich einen Rechner installiere nehme ich einfach die Knoppix (Distro) als Basis oder ein ganz normales Debian; Ubuntu muss ich natürlich auch testen und ausprobieren weil ich sehr viele Fragen zum Thema Linux bekomme die ich im Linux-Magazin in so einer Fragen und Antworten Kolumne beantworte. Ich schau' mir also immer an was in den verschiedenen Distributionen gerade passiert, was interessant ist und gelegentlich kann ich das auch für die Knoppix übernehmen wenn es mir sehr sehr wichtig erscheint.
  • H: Wenn ich dich richtig verstanden habe: Du hast Knoppix gemacht um dein eigenes, persönliches Linux auf einen Stick zu bringen, du verwendest es durchaus zum arbeiten.
  • K: Auf jeden Fall
  • H: Du wolltest dein “Arbeits-Linux” transportabel haben
  • K: Ich möchte auch dass meine Schüler und Studenten -wenn sie das möchten- unter Linux arbeiten können. Grundsätzlich halte ich meine Vorlesungen Betriebssystem-neutral. Wenn es also drum geht Programmiersprachen zu lernen oder Textstrukturierung, oder generell Informatik, da kann man nehmen was man will, das stelle ich jedem frei. Aber wer möchte kann auch Linux verwenden, denn auf meinem Stick ist immer das, was zum Unterricht passt, fertig installiert. Da muss man nichts mehr vorkonfigurieren, einstellen oder herunterladen weil alles dort gleich funktioniert. Und so sind schon etliche Studenten sehr an Linux interessiert worden und benutzen das auch zu Hause einfach dadurch dass es auf dem Stick so gut funktioniert hat waren sie motiviert sich das für sich selber etwas näher für sich selber anzugucken.
  • H: Also wenn ich jetzt programmieren lehre könnte ich am Stick eine komplette Eclipse-Umgebung
  • K: Das ist sowieso drauf.. das ist auf der DVD bzw. 8-GB Version von Knoppix sowieso mit drauf. Entwicklungsumgebungen von Eclipse, für Java, es ist sogar dot.net drauf. Wenn man später etwas schreiben will was man sogar unter Windows verwenden möchte dann hat man dort Betriebssystem-unabhängige Programmiersprachen und Skriptsprachen. Python ist natürlich drauf, Perl ist drauf, C, C++, was man so für den Hausgebrauch für's programmieren lernen alles brauchen kann. Und das brauch ich auch im Unterricht, deshalb ist es mit dabei. Ich dachte mir: Wenn man so ein System hat, was man leicht verteilen kann - und darf, weil es die GNU-GPL ja hergibt dass man's verteilen darf und auch anpassen darf- dann mach' ich ruhig sämtliche Programmiersprachen drauf die wir im Unterricht verwenden können.
  • H: Was sind deine Erfahrungen wenn die Leute Sachen persistent abspeichern wollen ? Ist es dann am Besten man hat den Stick partitioniert mit so einer kleine fat32 oder sonstigen Partition oder kennst du Leute die dann mit 2 Sticks arbeiten oder die dann in die Cloud zugreifen…hast du da Erfahrungen was das beliebteste Modell ist ?
  • K: Beide Möglichkeiten existieren. Für Anfänger die sich mit den Speichermöglichkeiten für verschiedenen Betriebssysteme noch nicht auskennen ist sich die Variante dass man mit einem Overlay - das ist eine Art virtuelle Festplatte die auf dem Stick untergebracht ist - arbeitet, da passen 4 GB ein, das ist die maximale Dateigröße unter Fat32 - und damit kommt man erst mal ganz gut aus.
  • H: bei einem 8 GB Stick , 4 GB Knoppix, 4 GB zum Arbeiten ?
  • K: Genau, 4 GB ist das Knoppix, und 4 GB bleiben dann übrig für das Overlay wo man persönliche Daten speichern kann. Mit einem Jahr Unterricht brauche ich selten mehr als 600 Megabyte. Es sei denn ich mache irgendwas über Video-bearbeitung oder Videoschnitt, dann nehme ich einen zweiten Stick dazu und speichere dann dort die Daten unter ReiserFS ext2, ext3 oder auch NTFS, das wird ja unter Linux hervorragend unterstützt in dem Fall kann man mit dem gleichen Stick - wenn man das möchte- unter Windows die Daten weiterbearbeiten.
  • H: Jetzt ist Knoppix ja - wie soll ich sagen- von der Open Source Community aufgenommen worden und manche entwickeln (daraus) ihre eigenen Projekte. Du hast mir gestern erzählt in Japan gibt es einen der praktisch ein japanisches Knoppix macht.
  • K: Ja , richtig, der Kuniaso Zuzaki (??) der macht ein japanisches Derivat von Knoppix, weil der sich mit den Zeichensätzen und den Spezialitäten die man dort braucht gut auskennt. Der nimmt meine Knoppix, modifiziert sie, und um die GPL erfüllen zu können braucht er natürlich auch die Quelltexte von allen Programmen. Die(se) stell' ich ihm selbstverständlich - wie auch allen anderen die danach fragen - zur Verfügung und daraus kann der dann sein eigenes Derivat machen welches speziell für die japanische Sprache optimiert ist. Er macht dann noch japanische Erweiterungen für OpenOffice hinzu und was es sonst noch an japanischen Lehr- und Lernprogrammen gibt. Er hat auch seine eigene Website welche auf meiner Knoppixseite verlinkt ist damit man sie leichter findet. Er beschleunigt das ganze noch mit verschiedenen Verfahren damit Knoppix schneller in den Speicher lädt. Also seine Version bootet circa 5 Sekunden schneller als meine. Aber da bin ich ganz uneitel, mir ist das zu viel Aufwand wegen 5 Sekunden. Ich finde er macht das toll, und ich versuche so viel wie möglich von dem was er gemacht hat zu lernen.
  • H: Drehen wir die Zeit zurück: Wie du das erste Mal Knoppix veröffentlicht hast, sozusagen. Hast du da erwartet dass sehr bald Leute darauf aufspringen werden und (Knoppix) mit dir weiterentwickeln ? Oder warst du dir noch nicht sicher ?
  • K: Ja, das war eigentlich ein Aha!-Effekt. Das war eigentlich ein Projekt das sehr technisch war. Es ging mir darum selber zu lernen und zu vermitteln und zu zeigen wie das mit der Boot-Fähigkeit von entfernbaren, mobilen Datenträgern funktioniert. Und -nun ja- ich habe einen Vortrag in Atlanta gehalten, ich war da gerade zufällig in Amerika. Ich habe 30 CD's verteilt. Das war eigentlich ein sehr technischer Vortrag, und es kam so viel Feedback zurück von den Teilnehmern, die alle dann diese CD ausprobiert hatten und meinten: “Das ist eigentlich ein ganz gutes Demo für Linux” wo man mal zeigen kann wie schnell und einfach das funktioniert, ohne dass man installieren muss
  • H: Ein Give-away Linux
  • K: Ja, so als Demo. Wobei es als Demo gar nicht gedacht war sondern schon zum richtigen Arbeiten. Das hat mich dann motiviert, aufgrund dieser positiven Erfahrungen, es als Projekt zu veröffentlichen. Man muss das zwar nicht machen, aber wenn man's macht, dann bekommt man jede Menge Feedback von Interessenten die eigenen Ideen haben, Vorschläge unterbreiten..um das ganze dann auch besser zu machen, stabiler und auf mehr Hardwareplattformen lauffähig. Das war eigentlich für mich so der Kickstart warum ich auf die Idee gekommen bin diese private Bastelei zu veröffentlichen.
  • H: Durch Atlanta, durch diese Leute die dir so gutes Feedback gegeben haben ?
  • K: Das waren 30 Leute
  • H: Also du hast schon die Ahnung gehabt, vermutet, dass wenn du es ins Internet stellt wird es auch bei anderen gut ankommen ?
  • K: Ja, obwohl es gar nicht für Anfänger gedacht war. Es fehlten sämtliche Einstellungen, es gab kein (form-CD-to-Harddisk) Installationsprogram, es haben dann so viele danach gefragt “Ja das gefällt mir so gut, das möchte ich ganz gerne auf der Platte installieren, kann ich das machen?”. Da habe ich zunächst immer mit sehr technischen Mails geantwortet, ein 10 Zeilen Shell Skript erledigt das ganze. Doch da waren auch welche die meinten: “Kommandozeile lerne ich vielleicht später, zu kompliziert, ich brauche was zum klicken”. Und da haben wir -nach ein, zwei Versuchen hatten wir sozusagen das perfekte Installationsprogramm - wo man nicht viel sagen kann, man sagt sozusagen “Ich möchte auf freien Plattenplatz installieren”, entweder selbst partitionieren oder automatisch partitionieren lassen. Das System wird dann ent-komprimiert, dadurch werden auf den 4 GB Knoppix auf dem Stick werden 10 GB auf der Festplatte und dann verhält es sich wie ein ganz normales Linux, man kann es auch updaten über die Debian Repositorys. Und kann damit ganz normal unter Linux arbeiten. Und das ist zumindest für Anfänger eine sehr leichte Methode das System so wie sie es am Stick (laufen) gesehen haben auf Platte zu installieren. Ja das ist eine der Erweiterungen die wir dann für Anfänger dazugemacht haben. Auch viele der Icons die im Menü drin sind, die einem einfach die Arbeit erleichtern -wenn man die Kommandos noch nicht kennt- die sind dann einfach zum klicken. Desktop neu starten oder mal Gnome oder KDE ausprobieren anstatt dem sehr leichtgewichtigen LXDE der mit dabei ist.
  • H: Über all die Jahre - kannst du sagen was war sozusagen das Projekt oder die Variation oder der Fork von Knoppix der dich am meisten erstaunt hat ? Also etwas was du ursprünglich gar nicht gedacht hättest was dich sehr verwundert hat sozusagen ?
  • K: Das stimmt ! Das ist erst in letzter Zeit aufgetreten, vorher waren es mehr so Linux-interessierte Leute oder Firmen die ein System haben wollten was sofort startet, was man auch verteilen kann was zu Werbezwecken in Geschäften oder auf Werbedisplays auf Bahnhöfen oder öffentlichen Plätzen läuft. In letzter Zeit kommen mehr Anfragen Linux anstelle von Windows zu verwenden aber für Windows-Programme. Das hat mich etwas verwundert…
  • H: Die wollen ein Knoppix mit Wine ?
  • K: Genau, ein Knoppix mit Wine. Wine ist ja der Windows-Emulator der in der Lage ist ein Windows zu simulieren und zwar ohne Virtualisierung, rein auf der API-Ebene, das heißt das Windows programm “sieht” ein installiertes Windows, obwohl kein Windows läuft sondern ein Linux mit Wine-Emulator. Und viele, viele Windows - Programme lassen sich hervorragend out-of-the-box unter Linux betreiben. Wenn man also ein Windows-Programm hat auf das man absolut nicht verzichten kann/möchte oder darf, - es gibt ja z.B. diese Elster Software in Deutschland die es nur für Windows gibt für die Steuererklärung und es ist ein bischen schwierig eine äquivalente Linux-Version zu bekommen. Die kann man auch unter WINE, unter Windows laufen lassen sodass ich mir kein Windows anschaffen muss. Und für Firmen die eben Windows Produkte herstellen, die noch nicht nach Linux migrieren können oder wollen, weil ihre ganzen Kunden noch unter Windows laufen, für die ist das natürlich ein wunderbares System wo sie ihre Software lauffähig verteilen können, indem sie eine Live-CD nehmen mit dem Wine drauf, vielleicht noch mit ein paar Erweiterungen, und ihre Software dann so unters Volk bringen können, in einer Demoversion oder Vollversion…
  • H: Ohne Microsoft-Lizenzen zahlen zu müssen
  • K: Ohne Microsoft-Lizenzen bezahlen zu müssen, denn ihre eigene Windows-Software haben sie ja selber geschrieben, die Laufzeitumgebung von Microsoft brauchen sie nicht, denn es ist in dem Wine alles drin was man braucht, und so können sie das System auch verteilen. Und das ist eigentlich eine einmalige Gelegenheit und etwas woran ich eigentlich nicht gedacht habe. Ich dachte eher so Live-CD's sind für Umsteiger und für Einsteiger gedacht aber das dies jetzt auch eingefleischten Windows Benutzern und Entwicklern hilft … damit hatte ich nicht gerechnet.
  • H: Das heisst eine Firma die jetzt keine Lust hat ihre eigenen Windows-Produkte auf Windows8 zu migrieren … könnte (ihre Produkte) praktisch mit Knoppix + Wine unters Volk bringen.
  • K: Richtig. Das wäre auch eine Möglichkeit. Auf diese Weise könnte man auch altes Systeme retten. Software für Windows XP -wenn das XP nicht mehr auf den neuen Rechnern lauffähig ist weil es nicht alle Hardware unterstützt- unter Wine laufen zu lassen
  • H: Weil Linux auch auf neuer Hardware läuft !
  • K: Ja, Linux läuft perfekt auf neuer Hardware, es gibt nichts besseres auf neuer Hardware, auch USB 3 ist kein Problem. Und so kann man die alten Programme über die Zeit retten. Wenn die auch nicht mehr weiterentwickelt werden laufen die immer noch weiter unter dem Wine-Emulator unter Linux.
  • H: Du selbst wohnst ja in Deutschland ?
  • K: Ja das ist richtig.
  • H: Kannst du genauer sagen in welcher Ecke ?
  • K: Ja, zwischen Kaiserslautern und Pirmasens gibt es kleines Fleckchen Dorf mitten im Wald, Schmalenberg heißt das, da wohne ich. Wir haben erst seit Kurzem DSL, ich musste also sonst immer an die Uni fahren um viel im Netzwerk übertragen zu können, was ich für die DVD's hin und wieder brauche. Das ist also mit der Universität Kaiserslautern -an der ich auch studiert habe- so abgesprochen. Inwzischen kann ich das meiste auch von zu Hause machen. Ja und unterrichten tu ich an der Fachhochschule Zweibrücken, studiert habe ich in Kaiserslautern. Die Fahrt nach Österreich ist zwar recht lange aber es ist immer wieder schön hier, weil es ist von der Landschaft her so ähnlich wie bei mir, nur die Berge sind hier höher…
  • H: wir müssen dazu sagen wir sind gerade in Weiz,
  • K: Von den Weizer Knoppixtagen. Tja, es ist immer wieder schön so einen Besuch in meiner quasi alten Heimat zu machen, ich bin ja selber Österreicher
  • H: So ???
  • K: Jaja, ich habe einen österreichischen Pass
  • H: woher kommst du ursprünglich ?
  • K: Schon aus Deutschland, aber mein Vater ist Österreicher. Deswegen hab' ich die Staatsbürgerschaft - damals war das so- einfach geerbt und bin sozusagen Exilösterreicher.
  • H: Hast Du noch Verwandte (hier) ?
  • K: Meine Oma hat hier gewohnt -die ist mittlerweile gestorben- und ein paar Cousinen wohnen auch noch hier. Und hin und wieder sieht man sich mal bei so Gelegenheiten wie den Knoppixtagen jetzt. Aber sonst eher selten.
  • H: Ich spekuliere jetzt ganz wild: Du kommst aus -darf ich das so sagen- aus einem eher nicht-hauptstädtischem Teil von Deutschland, sondern kann man da sagen, mehr aus dem Wald,
  • K: In der Gegend von Mainz bin ich aufgewachsen und später nach Kaiserslautern gezogen
  • H: Wo du jetzt wohnst meine ich
  • K: Mitten auf dem Land, kleines Dorf.
  • H: Ich stell mir vor da ist so ein riesiger Knoppix-Bunker mit so einer geheimen Befehls-Zentrale, wo du so eine Katze streichelst, und an der Wand ist eine RIESIGE Weltkarte und da blinken so in Deutschland ganz viele rote Lämpchen für jede installierte Knoppixversion und dann in der Antarktis wahrscheinlich ein bischen weniger ?
  • K: Neinnein, also wenn dann kriegt man das über das Internet raus von wo die Emails herkommen. Wenn jemand mal eine Frage hat. Also es ist schon sehr gut verteilt. Von den Download-Zahlen her - diejenigen die über meine Seite gehen- die Gnu General Public License, unter der das ganze steht, akzeptieren, von denen bekomm' ich dann auch die IP-Adresse mit und
  • H: Du siehst sozusagen von jedem der offiziell bei dir downloaded
  • K: Ja. Aber es gibt kein Feedback von den CD's oder DVD's selber. Es gab zwar viele Vorschläge von Leuten die meinten zwar, wenn man so eine Knoppix bootet dann könnte doch eine Rückmeldung erfolgen. Aber das wäre Überwachung, das will ich absolut nicht, das soll autark funktionieren, und wenn man nicht explizit sagt “ich möchte einen Dienst anbieten” oder “ich möchte ins Internet gehen” dann macht das die Knoppix auch nicht. Da laufen auch keine Hintertürchen
  • H: Auch kein Nag-Screen wo steht: “registrieren sie sich jetzt…”
  • K: Nein, nein. Das ist ein freies System, das kann man auch anonym nutzen. Da lege ich großen Wert drauf dass die Privatsphäre von den Anwendern auch gewahrt bleibt. Es ist keinerlei Möglichkeit oder Gefahr dass man sich aus Versehen wo registriert oder anmeldet oder so. Also ich bekomm' das überhaupt nicht mit wenn irgendwo auf der Welt Knoppix verwendet wird. Ich kann das wirklich nur von den Downloads her schätzen. Das sind im Moment so ca. 10.000 pro Tag..
  • H: pro Tag ?
  • K: .. die über meine Website runterladen. In Stoßzeiten, also wenn eine neue Version rauskommt, dann sind es schon bis zu 25.000 pro Tag. Also mittlerweile müsste jeder eine haben..
  • H: Und hast du so regionale Schwerpunkte ausgemacht ? Weil Knoppix ist ja standarmäßig nur deutsch und englisch.. Ich nehme an im deutschsprachigen Raum, Deutschland, wird es stark verwendet
  • K: Also .com, .net, amerikanische Domains, englische Domains, sind an erster Stelle bei den Downloads. Direkt an 2. Stelle erfolgt Deutschland, weil die deutsche Version ja schon fertig vorbereitet ist. Es ist mit wenig Aufwand auch möglich das ganze auf französisch, italienisch u.s.w. booten zu lassen. Weiter in der Download-Liste geht's dann mit verschiedenen Ländern. Ich hab das nicht so genau im Kopf, aber es ist eigentlich jedes Land vertreten, auch ganz kleine Länder. Afrika ist auch vertreten, Lettland, überall auf der ganzen Welt wird das wohl verwendet um das Linux mal auszuprobieren, oder auch um mit älteren Rechnern zu arbeiten. Auf denen die teueren, proprietären Systeme nicht mehr laufen, weil sie einfach zu alt sind. Auch da startet Knoppix noch. Die Mindestanforderungen sind ja recht gering. Ich hab' noch einen alten 486er zu Hause, der als Testrechner dient. Wenn's da startet, dann hab' ich ein gutes Gefühl, das es auch auf älteren Rechnern einigermaßen ansprechend läuft.
  • H: Kannst du über Afrika etwas sagen oder generällt über die exotischeren Länder ? Wenn so ein Land eine IT-Explosion erlebt, merkst du dann dass die Download-Zahlen ansteigen ?
  • K: Nein, das kann man so nicht sagen. Weil in ärmeren Ländern die Internetversorgung nicht so gut ist dann wird eher ein einziges Mal gedownloadet und dann in Fragmenten über den Tag verteilt (erster, zweiter, dritter Teil). Es wird auch viel Bittorrent verwendet. Um vielleicht zu schauen: Gibt's in meiner Umgebung Rechner die auch schon online sind die Teile von meiner CD oder DVD haben? Also die reinen Download-Zahlen von dort sind eher gering, aber das es in der Statistik auftaucht zeigt mir dass auch von dort Interesse vorhanden ist und dass sich vielleicht eine lokale Linux-User Group das ganze kopiert, auf DVD's verteilt an die Mitglieder, und das ist eigentlich auch der richtige Weg. Das spart den Leuten dort Netztraffic, der unter Umständen teuer ist und ermöglicht es trotzdem vielen, das Projekt zu nutzen.
  • H: Merkst du jetzt manchmal dass aus Ländern support-Anfragen kommen oder Foren-Beiträge, die vorher nie aufgetaucht sind in deinem Radar ?
  • K: Das ist von Anfang an so gewesen das von überall her Fragen kommen. Die die nicht so gut englisch sprechen die versuchen es dann mit dem Google Translator, ist manchmal so ein bischen schwierig für mich zu übersetzen. Dann wär's besser sie schreiben in ihrer Landessprache und ich versuch's selber übersetzten zu lassen. Also da ist alles vertreten. Und was exotisches nehm ich eigentlich gar nicht mehr war
  • H: Du bist es schon gewohnt
  • K: Genau. Es gibt die ulkigsten Anfragen, es gibt merkwürdige Unfälle, dass die CD ausgeworfen wurde - Am Ende passiert das ja, der Rechner fährt runter, die CD fährt raus. Das Jemand den Rechner schon zugemacht hatte, dann schlägt das Laufwerk gegen die Tür und er kriegt einen Schock weil er denkt da wäre jetzt irgendwas passiert, explodiert oder so. Und bittet mich das abzustellen dass die CD ausgeworfen wird. Das Feature hab ich aber drin, das erkläre ich dann bei der Gelegenheit immer wieder, damit man nicht vergisst die CD mitzunehmen wenn man den Rechner heruntergefahren hat. Der nächste der an den Rechner geht, wenn der dann statt dem was er vorher installiert hatte ein Linux präsentiert bekommt der behauptet dann ganz frech das (der Knoppix User) den Rechner kaputt gemacht hätte. Und das soll natürlich nicht sein. Allein für vergessliche Leute wie mich ist es schon praktisch wenn dann die CD oder DVD wieder raus fährt und man weiß: jetzt kann ich sie mitnehmen, es wird dann heruntergefahren. Gut also es gibt auch Anfragen nach alten Monitoren wie man die zum laufen bekommt und das die mit der richtigen Frequenz betrieben werden. Probleme mit Grafikkarten sind ein bischen zurück gegangen. Nvidia war von Anfang an immer eine problematische Sache weil unterschiedliche Chipsätze, unterschiedliche Treiber. Nvidia selbst hat verschiedene proprietäre Treiber für seine Grafikkarten und mittlerweile ist der Noveau, also der freie Treiber unter Linux zwar ziemlich gut geworden, aber mit dem 3D hapert es noch. Ich weiß nie genau ob es funktionieren wird oder nicht, deshalb habe ich einige Karten von denen ich weiß dass es nicht geht schon einmal geblacklistet, dann kommen natürlich die Fragen: “Ja ich hab doch so eine Grafikkarte die 3D kann, warum funktioniert das unter Knoppix nicht?”. Muss ich antworten: “Bitte booten mit Knoppix 3D”. Andere sagen: “3D kommt zwar, aber dann gibt es komische Farbeffekte auf dem Monitor, was muss ich machen?” - dann muss ich antworten: “Bitte starten mit Knoppix-no3d”. Das sind Sachen die öfter auftreten wenn jemand Hardware hat die mit bestimmten Features nicht zurechtkommt.
  • H: Hast du neben Knoppix noch ein anderes Projekt von der Opens-Source Welt das dich sehr interessiert ?
  • K: Einige Projekte. Einige davon sind Knoppix-related, also basieren auf Knoppix oder haben peripher damit zu tun. Eines davon, das wir an den Schulen einsetzten, ist das Linbo, Linux based network boot, das ist eine grafische Boot-Konsole die es erlaubt den Rechner zu installieren oder Betriebssysteme die drauf sind zu reparieren. Nicht nur Linux sondern auch Windows. Der holt sich dann ein Image über's Netz, synchronisiert das was auf der Platte drauf ist mit diesem Image. Wenn das schon mal draufgespielt war dann geht das recht schnell weil nur die Änderungen repariert werden. Und dann startet das direkt in das Betriebssystem rein. Ist also praktisch ein Bootloader mit Auswahl des Betriebssystems mit dem Unterschied (zu z.B. Grub) dass das Betreibssystem auch gleich repariert werden kann. So dass der Lehrer kaputte Rechner sehr schnell reparieren kann kurz vor dem Unterricht. Das ist eines der Projekte, da gibt es noch verschiedene andere. Also ich hab die auf meiner Homepage nicht alle gelistet. Kernel-Treiber, der Silup, an dem bin ich immer dran, auch der hat was mit Knoppix zu tun. Dieses komprimierende Block-device das es erlaubt dass ich Faktor 3:1 runterkomprimieren kann um einfach den Datentransfer etwas zu beschleunigen. Und hin und wieder haben wir auch Projekte und Beratungen die gar nix mit Knoppix zu tun haben. Wo es einfach darum geht Systeme zu verbessern oder Systeme von proprietärer Software zu befreien. Es kommt nicht selten vor dass ein Hersteller von Geräten einen proprieäteren Treiber verwendet für sein Gerät und dann endet irgendwann der Support für den Treiber und dann heisst es entweder wir schreiben den jetzt proprietär neu - kostet sehr viel Geld- oder du musst auf alle Ewigkeit eine ältere Linux (Windows?) Version verwenden damit dieser Treiber läuft.
  • H: Mit Knoppix und Wine…
  • K: Ja, oder wenn's ein Linux Treiber ist - es gibt ja auch proprietäre Linux Treiber. Aber manchmal geht es dass man diese Treiber neu schreibt, befreit
  • H: Gibt's da eine fondation “Free your driver” ?
  • K: Das wird von Fall zu Fall normalerweise bezahlt, die bekommen das Produkt unter der GPL, sind zwar nicht verpflichtet es herauszugeben, aber wenn sie es möchte dann hat auch die Community was davon.
  • H: Und eine letzte Frage noch: Wenn Du zurück denkst an all die Jahre, was war das schönste Erlebnis mit Knoppix?
  • K: Auch das schönste Erlebnis ist eigentlich immer wenn mal eine Email hereinkommt wo keine Beschwerde drin steht,
  • H: <lacht>
  • K: wo drin steht “das hat mir sehr geholfen, ich habe meine Daten wieder retten können” und wenn dann noch ein Vorschlag dabei ist wie man das ganze noch komfortabler oder besser gestalten kann - da bin ich auch froh drum. Das sind für mich die schönsten Erlebnisse wenn ein Mail kommt wo drinsteht: “Ich hab mich gewundert dass mein wireless Modem von Knoppix unterstützt wird, aber es hat geklappt” ja, und, dann bin ich zufrieden.
  • H: Also Aufruf an unsere Hörer: schreibt Klaus eine schöne Email
  • K: Ja, danke schön.
  • H: Danke, Klaus.

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