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de:blog:2014:1006_julieannhorvath

Title: Frauen in der IT: eine andere Perspektive Date: 2014-10-06 22:45 Tags: gender, teaching, learning Googleadsense: True Slug: 20141006_julieannhorvath Authors: Julie Ann Horvarth, Horst JENS Summary: Julie Ann Horvarth beschreibt ihren Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen in einen gut bezahlten Job in der IT-Branche und erklärt warum Unterstützungs-Netzwerke für Frauen in der Technik wichtig sind und verlingt eine Liste von Webseiten zu diesem Thema.

Frauen in der Internet-Technolgiebranche: eine andere Perspektive

ein Blogposting von Julie Ann Horvarth. Übersetzung aus dem Amerikanischen von Horst JENS

Original-Titel: On Women in Tech: A Different Perspective(1)

Als ich aufwuchs glaubte ich nicht daran dass man alles erreichen zu kann was man will.

Ich wuchs in einer Gegend auf wo junge Leute selten höhere Bildung erreichten. Die meisten Leute mit denen ich zur Schule ging endeten in Jobs die nur knapp über dem Mindestlohn zahlen, mit wenig Aussichten auf Karriere oder Wachstum. Die meisten meiner Bekannten glaubten nicht daran dass sie die Möglichkeit haben ihr Leben zu verbessern und fast alle blieben arm.

Mir wurde oft ausgeredet eine Karriere zu verfolgen die höheren Schulbesuch voraussetzt. Ich wusste immer schon dass ich für mein Leben etwas anderes wollte als die Möglichkeiten die ich um mich herum sah. Ich wusste ich wollte ein College besuchen, aber ich dachte nicht viel drüber nach was ich danach tun würde weil schon ein College-Abschluss so unerreichbar schien.

Ich kannte keinen einzigen Informatiker (Computer scientist). Ihc hatte keine Ahnung das “Web Developer” oder “Software Designer” Berufe sind. Die einzig erreichbaren Jobs schienen mir jene meiner Eltern oder der Eltern meiner Freunde zu sein.

In meinen ersten Job in einer Technik-Firma stolperte ich zufällig. Obwohl mich alle Entwickler (Programmierer) die dort arbeiteten dazu ermutigten selbst programmieren zu lernen glaubte ich erst daran das ich das auch schaffen könnte als ich eine Frau sah die in diesem Berufsfeld erfolgreich war.

Heute kann ich von mir sagen: ich bin einigermaßen erfolgreich. Ich bin ein Designer und Entwickler in einer Firma die ich liebe und die bei meinen Kumpels respektiert wird. Die Arbeit fühlt sich nicht nach Arbeit an. Ich verdiene mehr als meine Mutter nach 38 Dienstjahren als Beamtin verdient hat. Und ich erledige Aufgaben die ich mir früher nie zugetraut hätte. Ich reise beruflich, ich teile mir meine Arbeitszeit selbst ein und -am allerwichtigsten- ich glaube das meine Arbeit die Welt verändert. Manchmal, mit ein wenig Glück, inspiriere ich sogar andere Leute dazu es mir nachzumachen.

Meine Erfahrungen bisher bestärken mich darin zu versuchen den Einstieg in diese Industrie für andere Leute einfacher zu machen. Für Leute die jetzt in Situationen sind in denen ich früher war. Deshalb arbeite ich nicht nur an Design und Web Apps für meine Firma, sondern auch an Projekten die ich als jüngere, unerfahrerene Frau -die ich vor ein paar Jahren war- gut hätte brauchen können, schon beim Karriere-Start. Diese Projekte excludieren nicht Männer vom Mitmachen; ganz im Gegenteil: diese Projekte haben das Ziel die Community die sich um Frauen in der Technik herum bildet zu stärken und die Arbeit von Frauen bekannter zu machen. Von Frauen die von Frauen und Männern gleichermaßen repektiert werden.

Jedes Mal wenn ich darüber rede was mich dazu brachte Passion Projects(2) zu gründen bin ich gezwungen mich an die negativen Erlebnisse zu erinnern die ich in dieser Industrie hatte. Ein Mitarbeiter und Freund argumentierte dass ich ohne diese negativen Erlebnisse nicht die Motivation gefunden hätte andere Frauen in unserer Community zu unterstützen und Projekte zu gründen die allen Frauen in dieser Industrie gut tun. Ich kann nicht mit Sicherheit beurteilen ob meine Projekte und Anstrengungen einen positiven Effekt auf die Community haben. Doch durch die Worte meines Freundes fühlte ich dass ich in die richtige Richtung arbeite.

Im Lauf der Jahre habe ich gelernt was der beste Weg ist um sicherzustellen dass die eigenen Erfahrungen nicht ungenutzt verblassen: In die Menschen um dich herum zu investieren. Das ist es was meiner Ansicht nach Woumen in Tech (WIT)(3) Initiativen tun. Ich sehe dass sie Gemeinschaften bilden und gegenseitige Unterstützung aufbauend auf den gemeinsam gemachten Erfahrungen von Frauen in dieser Industrie.

Wenn du es ohne solche Support(=Unterstüzungs)-Systeme schaffst erfolgreich zu sein: schön für dich. Du hast jedes Recht darauf stolz auf Dich zu sein. Mach weiter was du machst, denn dein Weg funktioniert für dich. Doch seit wann ist es an uns zu entscheiden was für andere Frauen funktioniert und was nicht? Mir erscheint es grundlegend falsch Support-Systeme anderer Frauen anzugreifen oder sie zu diskreditieren weil sie nicht für uns persönlich funktionieren. Und unglücklicherweise halten wir mit solchen Aktionen andere Frauen davon ab auf solche Support-Netzwerke zuzugreifen, speziell Frauen aus gesellschaftlichen Randschichten die solche Unterstützung sehr brauchen würden.

Natürlich ergeben sich Probleme dadurch dass immer mehr Menschen den Mangel an Diversity (=Verschiedenheit) in unserer Industrie bemerken. Manche dieser Problme werden in diesem Blogposting behandelt(4) und während die Ansichten des Autors über die Auswirkungen der Woumen-in-Tech Bewegung nicht teile finde ich einige Argumente zutreffend:

Auch ich sorge mich wenn Frauen in Positionen aufgenommen werden für die sie nicht qualifiziert sind, um eine Quote zu erfüllen. Dies ist ein Problem das ich oft in Einstellungsgesprächen aufgezeigt habe und das von den Meisten mit Respekt behandelt wurde.

Als eine Frau und als jemand mit einem “mixed background” (Hautfarbe?) bin ich auch beleidigt davon wenn Leute Rassen- oder Geschlechtergleichbehandlungsargumente vorbringen um sich selbst zu promoten oder zu profilieren.

Ich gestehe:

Ich gehe nicht zu jedem Frauen-spezifischen Event oder Meetup. Nicht jedes ist das Richtige für mich. Aber genau daraum geht es: Wenn ich etwas nicht hilfreich oder nicht notwendig finde, lasse ich mich einfach nicht hineinziehen. Es stört mich nicht dass solche Treffen existieren und es stört deren Organisatoren nicht dass ich nicht teilnehme. Und diese Treffen erschweren sicher nicht meinen Job als Frau in dieser Industrie.

Ich gehe zu denjenigen Treffen und Meetups die ich nützlich finde. Ich habe persönlich davon profitiert andere Frauen kennen zu lernen welche die gleichen Dinge tun die ich mache und die vor den gleichen Herausforderungen stehen. Aus diesen Begegnungen ist mir ein wunderbares Unterstützungs-Netzwerk gewachsen. Ich denke es ist wichtig im Blick zu behalten dass alle WIT-Grupppen und -Initiativen von jemandem gestartet wurden der sah dass sie notwendig waren, und dass diese WIT-Gruppen wertvoll für Leute mit ähnlichen Bedürfnissen und Erfahrungen sind.

Wir werden uns untereinander nie einig sein darüber was wertvoll ist und was nicht, denn auch unter Frauen gilt: Wir sind alle verschieden. Wir kommen aus unterschiedlichen Gegenden, wir gehören verschiedenen Kulturen an, wir lernen auf unterschiedliche Art und Weise. Wir sollten weitermachen damit verschiedene Ansichten zu haben und daraus interessante Gepräche und Einsichten zu gewinnen. Verschiedene Meineungen zu haben sind ein Nebeneffekt von Diversity. Doch ich bezweifle dass unterschiedliche Meinungen zu haben zu Angriffen und Diskretierungen ganzer Communitys führen muss nur weil man selber nicht von diesen Communitys profitiert.

Die Bedingungen in unserer Industrie werden besser: Ich sehe wie die Tech-Industrie wächst und sich ändert. Ich sehe mehr Frauen auf Konferenzen die ich besuche, ich arbeite mit mehr und mehr Frauen in technischen Zeams zusammen, und ich bilde und verstärke Tag für Tag Beziehungen zu anderen Frauen in der Community. Dies sind alles Sachen die ich persönlich wertschätze und die - daran glaube ich fest- die Techik zu einem besseren Platz für mich selbst und für andere Frauen machen.

Wenn Du dich für Frauengruppen interessiert oder für Projekte die Frauen (jedes Alters) helfen, dann ist diese Liste wunderbarer Organisationen(5)) ein guter Startpunkt.

über die Autorin

Julie Ann Horvath

Bildrechte: Julie Ann Horvath

Julie Ann Horvath arbeitet als Frontend-Developerin und Designerin. Sie betreibt einen Blog(6), fühlt sich als Open-Source Advokatin und verbringt viel Zeit damit auf Konferenzen und in Freiwilligenprojekten (mehr) Frauen programmieren beizubringen. Julie organisiert und betreibt Passion projects, eine Webseite mit monatlich neuen Talks von unglaublichen Frauen in Technikberufen.

/var/www/horst/spielend-programmieren.at/data/pages/de/blog/2014/1006_julieannhorvath.txt · Last modified: 2017/10/12 09:40 (external edit)