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de:blog:2012:0815_why_nations_fail

Title: Buchbesprechung: Why nations fail Date: 2012-08-15 11:11 Tags: review Googleadsense: True Slug: 20120815_why_nations_fail Summary: Buchbesprechung: Why nations fail von Daron Acemoglu und James A. Robinson

Why nations fail

von Daron Acemoglu und James A. Robinson.

Mein Kommentar bezieht sich auf die englische Version. Bitte auf das Bild klicken um zum Amazon-Link zu gelangen:

Inhalt

Von all den Wirtschafsgeschichte - Sachbüchern hat mir dieses am meisten Freude beim Lesen bereitet: Immer wieder hatte ich einen schönen “Hab' ich's mir doch immer gedacht..” Moment. Es geht in dem Buch um eine Theorie die erklären soll, warum es manchen Staaten (wirtschaftlich) gut geht und anderen Staaten nicht.

Die beiden Autoren betonen dabei das Primat der Politik bzw. der politischen Instituionen einer Gesellschaft / Nation: Erst wenn man versteht wie eine Gesellschaft / Nation institutionell und politisch funktioniert kann man versuchen zu erklären wie sie sich wirtschaftlich entwickelt.

Frei aus dem Gedächtnis ( dies sind die Eindrücke die mir geblieben sind, keine korrekte Nacherzählung):

Die Autoren unterscheiden zwischen extraktivem (schlecht, ausbeuterisch) und inklusivem (gut, pluralistisch) Polit bzw. Wirtschaftsmodell und orientierens sich vor allem an der Geschichte Englands. Unter anderem versuchen sie die Frage zu beantworten warum es eine industrielle Revolution ausgerechnet in England erstmals gab.

Die Antwort (sehr vereinfacht): ein über die Jahre immer inklusiveres politisches Modell: Der englische König (glorious revolution, nach der Enthauptung von Charles I 1649 wurde von mehreren Gruppierungen ( Kleinadel, Übersee-Händler, Landbesitzer) kontrolliert und an einer absoluten Machtausübung gehindert. Obwohl diese Gruppen teils gegensetzliche Interessen hatten (siehe z.B. die Corn Laws bevorzugten sie alle einen “kontrollierten” Monarchen und eine Herrschaft des Gesetzes gegenüber einem absolutistischen Monarchen wie z.B. der spanische König.

Diese über die Jahre immer “inklusivere”, (immer größere Gruppen der Bevölkerung konnten an der Macht teilhaben) politische Institution Englands ermöglichte es erst, ein inklusives Wirtschaftsmodell aufzubauen. Das bedeutet, ein Wirtschafsmodell bei dem nicht eine kleine Elite Bodenschätze oder Sklaven ausbeutet sondern ein Modell bei dem immer größere Teile der Bevölkerung am Wirtschaftsleben aktiv teilhaben. Dazu gehört der Schutz des Eigentums ( Um Investitionen zu fördern ) , ein funktinierendes Patentwesen ( Patente wurden vom Parlament, nicht vom König erlassen ) , ein Petitionswesen (Bürger konnten erfolgreich beim Parlament Petitionen einbringen ) und vor allem die Möglichkeit der kreativen Zerstörung (laut Schumpeter). Kreative Zerstörung bedeutet dass in einem “gesunden” inklusivem Wirtschafsmodell sich neue Wirtschafsformen und Wirtschafsakteure durchsetzen können ohne von den vorhandenen Eliten (Zünfte, Landbesitzer etc.) daran gehindert zu werden.

Die Autoren handeln viele historische Beispiele ab und zeigen dabei dass es eher die Ausnahme als eine Selbstverständlichkeit ist wenn es von einem extraktivem Polit/Wirtschafsmodell zu einem inklusivem Polit/Wirtschaftsmodell kommt. Die Beispiele reichen in die jüngste Vergangenheit ( Lateinamerika in den 90er Jahren ) und die Autoren spekulieren über aktuelle Entwicklungen ( Ägypten nach dem Arab Spring ).

Als Vorraussetzung für nachhaltiges, inklusives Wirtschafswachstum sehen sie folgende Punkte:

  • Es gibt einen gewissen Grad an Zentralisierung ( Gewaltmonopol )
  • Es gibt inklusive Institutionen, das heisst es ist nicht nur eine kleine Elite an der Machtausübung beteiligt
  • Es gibt inklusive Wirtschafsformen, das heisst die politischen Institutionen erlauben kreative Zerstörung

Leider gibt es im Buch nur sehr wenige Positiv-Beispiele (z.B. Botswana, Südkorea) und sehr viele negativ-Beispiele. Interessant ist auch der Erklärungsansatz der Autoren warum so viel gut gemeinte Entwicklungshilfe scheitert und so viele Staaten arm bleiben. Vereinfacht gesagt mangelt es nicht an guten Ratschlägen oder Wille zur Hilfe. Es mangelt meist am Willen der ortsansässigen Elite, die nicht an einer Verbesserung der Situation ihrer (ausgebeuteten) Landsleute interessiert ist, weil sie dann automatische selbst Geld und Macht verlieren würde.

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