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de:blog:2009:0714_heimreise

Title: Europython Tag 4 Date: 2009-07-14 11:11 Tags: report, event, python Googleadsense: True Slug: 20090714 Summary: batch imported old blogposting

Heimreise

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Birmingham, U.K., Freitag der 3.7.2009

Birmingham

Couchsurfing

Mein Rückflug ist erst am Sonntag Früh und ich merke dass ich es nicht zeitgerecht von Birmingham nach London-Gatewick schaffen werde und beschließe deshalb, schon am Samstag nach London zu fahren, mir London ein wenig anzuschauen und dort zu übernachten. Andere Bewohner der Jugendherberge machen mich auf Couchsurfing aufmerksam und ich probiere es gleich einmal aus. London scheint ziemlich beliebt zu sein, die meisten “hosts” schreiben mir zurück dass sie schon Gäste haben und ich nicht bei Ihnen übernachten kann. Doch schon nach der ca. 20. Anfrage habe ich Glück und einen kostenlosen Schlafplatz ergattert.

Auf die Sprints (Programmiersessions) in der Birmingham Music University verzichte ich nach 2 Stunden: schlechte Internetverbindung, lauter autistische Coder in einem Raum und die Erkenntnis, dass ich das PyGtk-Tutorial genau so gut zu Hause durcharbeiten kann.

Land & Leute

Stattdessen erforsche ich Birmingham etwas genauer und erschrecke mit gezücktem Fotoapparat harmlose Passanten.

Das “beste” Fotomotiv (//Strache's Alptraum//) bekomme ich leider nicht in die Kamera:

Eine Bushaltestelle mit einem alten indischen Mann, einem jüngeren Schwarzafrikaner, einer Kopftuchträgerin und einer komplett verschleierten Frau. Die Frauen wollen sich nicht fotografieren lassen und da ich in Birmingham bisher von allen Einheimischen sehr freundlich behandelt wurde möchte ich nicht heimlich fotografieren.

Obwohl Wien nicht gerade die provinziellste Stadt Österreich's ist kommt mir im Vergleich dazu Birmingham wesentlich internationaler und bunter vor: Man sieht auffallend gut angezogene Geschäftsleute in allen erdenklichen Hautfarben, daneben Immigranten in traditionellen Gewändern (Turbane, Pyjama-artige arabische Herrenkleidung), neben weißhaarigen Pensionisten und “einheimischen” Pub-Stammgästen.

Morgens sieht man eine Menge Schülerinnen und Schüler mit blauen Schuluniformen durch die Stadt hasten und Nachmittags in Cliquen durch die Kaufhäuser bummeln - gemischte Gruppen mit allen Hautfarben.

U.K. health

Ein sehr seltsames, aber nettes Erlebnis verdanke ich dem U.K. Gesundheitsministerium: Während ich mit Europython-Teilnehmer Ram eine Konfernezpause mache und auf einer Promenade herumbummle werden wir von 2 Damenn angesprochen die wollen das wir den Namen von verstorbenen Personen mit Pinseln auf den Boden malen (auf einem öffentlichen Platz). Auf meine messerscharfe Erkenntnis das in dem Farbtopf nur Wasser drin ist und den Namen dann niemand sehen würde antworten die Damen, das Wasser wird durch die Sonne verdunsten und der Name der Verstorbenen Person dadurch in der Luft um uns herumschweben1).

Schließlich geben Sie zu Künstlerinnen (genauer: eine Theatergruppe) zu sein die vom U.K. - Gesundheitsministerium (!) bezahlt (!!) wird um Leute anzusprechen (!!!) damit sie sich mit Tod & Verlust beschäftigen (und möglicherweise über einen gesünderen Lebensstil nachdenken). Britische Staatsbürger verdrängen Gedanken an Tod und Krankheit anscheinend zu sehr. Außerdem sollen sie Leute in ein Zelt locken in welchem Fotos an der Wand hängen zum anschauen und nachdenken während in der Zeltmitte andere Schauspieler eine Performance aufführen. Mein Einwand, dass ich dann den Schauspielern den Rücken zudrehen würde quittieren die Damen mit dem Hinweis das dies den Schauspielern nichts ausmacht. Ob wegen der Bezahlung oder der britischen generellen Abneigung gegen Gefühle aller Art ist mir unklar. Ich würde in einem Saal, wo mir jeder den Rücken zudreht, nicht vortragen, geschweige denn spielen.

Während Ram ins Zelt geht versuche ich so viel staatlich subventionierte Kommunikation wie möglich aus den Schauspielerinnen herauszulocken. In Wien im Theater zahle ich Schauspierinnen dafür, das sie mit anderen Schauspielern sprechen.

Da das österreichische Gesundheitsministerium nicht einmal ein Rauchverbot in Lokalen durchsetzten kann steigt meine Bewunderung für das U.K. Gesundheitsministerium außerordentlich. Man stelle sich nur folgende Krone-Schlagzeilen vor: Ministerium zahlt Schauspieler um Ausländer zum beschmieren öffentlicher Plätze anzustiften !. Politischer Selbstmord mit Anlauf quasi.

Geld wechseln

Beim Versuch, einige Euro in Pfund einzuwechseln fällt mir die außerordentliche Höflichkeit bzw: Förmlichkeit der britischen Angestellten auf. Um es einmal so zu sagen: Die Chance, unfreundlich behandelt zu werden ist eine Spur kleiner als die Chance, ein spontanes Lachen zu hören.

So werde ich -stets höflich, förmlich und Korrekt- von einer Bank zur anderen geschickt. Die meisten Banken wechseln entweder gar nicht, oder nur wenn man ein Konto dort hat, oder nur von Pfund in Euro aber nicht umgekehrt. Schließlich werde ich in den ersten Stock eines riesigen Unterwäschekaufhauses geschickt wo sich auch tatsächlich eine Wechselstube befindet.

Der Euro mag in Großbritannien unpopulär sein, aber Wechselstuben in Wäscheabteilungen zu verstecken oder auf die Hinweisschilder Travel money anstatt Euro zu schreiben - warum nicht gleich Glasperlen ?- kommt mir etwas übertrieben vor.

Essen & Trinken

Sehr bewundernswert: das allgemeine Rauchverbot in Lokalen (die Lokale waren deswegen nicht leer, ganz im Gegenteil). Wer rauchen will muss vor die Tür gehen (wie auch z.B. in Italien) und es ist möglich, ein Pub zu besuchen ohne nachher komplett nach Nikotin zu stinken.

Die britische Küche kommt mir wesentlich besser vor als ihr schlechter Ruf. Auf den meisten Speisekarten und auf Lokalwerbung steht extra drauf “british beef” oder “organic”. Ob “organic food” gerade in Mode ist oder Lebensmittelzusätze so selbstverständlich das man deren Fehlen extra aufschreiben muss kann ich nicht beurteilen.

Birmingham Central Backpackers Youth Hostel

Die Industriegegend in der Nähe der Jugendherberge kam mir in der Nacht der Ankunft sehr unheimlich vor. Jetzt nutze ich die Gelegenheit um bei Tageslicht viele Fotos zu machen. Von der sehr gemütlichen Rezeption (mit quasi-Wohnzimmer und vor allem gut funktionierendem WLAN) muss man ca. 5 Minuten zu den diversen Schlafhäusern gehen.

Die trostlosen Gewerbe- und Industriezonen werden auch durch Unmengen von Stacheldraht nicht hübscher. In einer Sackgasse stand am Abend ein Polizeiwagen und der Polizist “untersuchte” eine Hauswand (habe ich damals nicht fotografiert, da es a) dunkel war und b) der Polizist sehr böse schaute). Bei der roten Tür zu meinem Schlafhaus kam mir einmal eine Ratte entgegen (dirket hinter der Tür stehen Mülleimer).

Das Ziffernschloss der Haustüre ist aufgebohrt und wirkt nicht sehr Vertrauen erweckend - noch viel weniger als die sehr steile Treppe. Zum Ausgleich dafür sind die Duschen und Toilettanlagen sehr sauber.

Gleich neben meinem Schlafhaus ist ein großer Gewerbebetrieb auf dem in der Früh per Gabelstapler Container verladen werden. Möglicherweise bin ich deshalb immer morgends Früh munter und Abends müde; wirklich gestört hat es mich aber nicht.

Birmingham → London, U.K., Samstag der 4.7.2009

London

Mit dem Bus fahre ich nach London. Es gibt zwar einen direkten Bus nach London-Gatewick doch der fährt erst Mittags ab. In httpde.wikipedia.org/wiki/London treffe ich mich mit Ram in der Victoria Station und verbringe mit ihm einen Lustigen Nachmittag Hyde-Park. In der Nähe befindet sich der ein Park des httpde.wikipedia.org/wiki/Buckingham_Palace welcher von einer erscreckenden Menge Stacheldraht umgeben ist (elektrisch geladen). Zusätzlich gibt es überall in London (und auch Birmingham) jede Menge Überwachungskameras. In einem abgesperrtem Gelände im Hyde-Park. findet gerade ein Pop-Konzert welches auch außerhalb der Absperrung gut hörbar ist. Schließlich treffe ich im naturhistorischen Museum2) meinen Couchsurfing-Host, Rainaldo. Als super-gastfreundlicher Brasilianer lässt er sich es nicht nehmen mich per Doppeldecker-Bus zum Piccadilly Circus zu fahren. Die Busse bewegen sich im Schritt-tempo (für London durchaus normal) und wir stoßen in eine gerade stattfindende Gay-Pride Parade, sowie in Londons ChinatownSoho in eine Prozession tanzender Hare Krishna-Anhänger. Ein “Mönch” verteilt aus einer Schüssel rosa Süßigkeiten und viele der männlichen Teilnehmer dürften in einem früheren Leben (oder immer noch) gerne auf Punk-Konzerte gegangen sein, zumindest ihrem Tanzverhalten nach zu urteilen.

Da ich vom “rumkoffern” mit 2 Rucksäcken reichlich müde bin und Blasen an den Füßen habe freue ich mich auf's schlafen. Rainaldo bewohnt mit 3 anderen Expats ein typisches 2-stöckiges Londoner Eigentumshäuschen komplett mit kleinem Garten. Er erzählt mir dass er eigentlich nie das Wohnzimmer oder den Garten benutzt da echte Londoner dafür keine Zeit haben.

Wer es gerne ruhiger mag zieht in die Vorstädte oder gleich in eine kleinere Stadt; London bleibt der überteuerte Wohnraum für erlebnishungrige Studenten, Künstler und Durchreisende aus aller Welt sowie internationaler Finanzplatz mit entsprechend hohen Mieten.

Rainaldo bestätigt mir auch das es sehr schwer ist mit “echten” Londonern in Kontakt zu kommen; fast alle seine Freunde sind international und in London auf Durchreise (die durchaus einige Jahre dauern kann).

London Gatewick → Wien, Sonntag der 5.7.2009

Von London aus nach Gatewick gibt es nur wenig Busverbindungen deshalb fahre ich wieder Zug. Am Flughafen bermerke ich voller Schadenfreude eine Windows-Fehlermeldung auf der Anzeigetafel (siehe Bild). Tjaja, close source-Lösungen…. Außerdem gelingt es mir einen Mitarbeiter der Gepäckaufgabe zu treffen der noch schlechter Englisch redet als ich selbst. Extrem faszinierend finde ich den Automat für Literatur (siehe Foto). Den undankbarsten Job am Flughafen haben meiner Meinung nach die Fahrer der kleinen Elektrofahrzeuge zur Personenbeförderung: Neben der anspruchsvollen Kundschaft (Rollstuhlfahrer, ältere Menschen) und der langsamen Geschwindigkeit (ca 7 km/h) stoßen die Elektroautos beim Fahren ständig ein warnendes Quäk-Geräusch aus. Am Flugfeld wird mir das fotografieren der Flugzeuge aus Sicherheitsgründen verboten. Zu spät, siehe Beweisfote (Air - Lingus) rechts.

wichtige Erkenntnisse

  • bei www.couchsurfing.com Gesuche individuell verfassen. Immer profil vom host lesen und beim Gesuch dazu schreiben warum man ausgerechnet dort gerne couch-surfen würde.
  • 2 Gepächstücke sind genau eines zu viel. T-Shirts und Unterwäsche gibt es in jeder zivilisierten Stadt zu kaufen; sogar das heimschicken der Schmutzwäsche per Post ist ökonomischer als das ständige rumärgern mit einem extra (schweren) Gepäckstück.
  • Falls in nächster Zeit in Europa etwas bedeutendes passiert (Terroranschlag, wissenschaftlicher Durchbruch, neue Moderichtung, Kunst) dann sicher in London, und nicht in z.B. httpde.wikipedia.org/wiki/Gugging. London zieht Talente aus der ganzen Welt an.
1)
mir wird schlagartig die Bedeutung von silly klar
2)
freier Eintritt!
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